Rf., der mich mit einem Gürtel auf dem Rücken schlägt und was in der Fantasie verspielt-martialisch war, nimmt mir jetzt die Luft zum Atmen. Höre leises Stöhnen hinter mir, obwohl er nichts Anderes macht, als immer wieder ausholen. Der Schmerz, das Gefühl der Schwäche, die Möglichkeit, dass ich alles nicht unendlich ertragen werde, füllen mich aus. Versuche mich zu schützen, ihn milde zu stimmen, in dem ich mich schwach mache, auf allen Vieren zu seinen Füßen, mit der Wange an seinem Bein. Aber erst als ich ihn bitte, dabei Herr nenne, was, weil cheesy, mir schwerer fällt als physische Zeichen von Unterwürfigkeit, die sowieso meist intuitiv passieren, gibt er nach. Wir sind beide zufrieden – was natürlich nicht genug ist.

Ich hoffe, dass Ted Mosby stirbt II

Quasi ein kleiner Nachtrag zu meiner Überlegung über Beziehungen als Lebensinhalt, in Linkform:
Bei der FAZ hat sich kürzlich Markus Günther Gedanken über unsere Verhältnis zu Liebe und Romantik gemacht.

Der angeblichen Vielfalt der Lebensstile, dem immer wieder behaupteten Individualismus, steht ein global uniformierter Lebensentwurf gegenüber: Der Weg zum Glück ist die leidenschaftliche Zweisamkeit, das einzige Ziel des Lebens ist es, Mr. oder Mrs. Right zu finden, und dann wird alles gut (und wenn nicht, fängt einfach alles wieder von vorn an – auch gut).

Wer glaub, dass so nur jemand über Liebe schreibt, der sie nie erlebt hat: Wer nüchtern bleibt, bekommt auch am Stärksten mit, was Alkohol mit Menschen macht.

Fuck Your Imperativ

In mindestens einer Hinsicht bin ich höchst wahrscheinlich privilegiert: für mich gehörten alternative Lebenskonzepte schon immer eher zum Alltag als Vater-Mutter-Kind-und-Ehegattensplitting. Ganz früher lernte ich über meine Eltern immer mal wieder Leute kennen, die in Kommunen oder Genosssenschaften lebten oder bei denen es einfach normal war, dass Fremde mit am Tisch saßen – nicht nur aus einem sozialen Lifestyle heraus, sondern aus ökonomischer oder politischer Gemeinschaft.  Als ich mit 18 zum ersten Mal Kontakt zur BDSM-Szene hatte, waren dort klassische, nicht-offene Zweierbeziehungen eher die Ausnahme. In meinem Bekanntenkreis gab es recht schnell Menschen, die polyamourös oder promiskuitiv oder einfach beides waren, die mit Sex Geld verdienten und dergleichen. Und auch unter meinen studentischen Freunden gab man sich bei solchen Dingen nicht nur entspannt, man war es auch. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mal kritisiert wurde, weil ich ständig Single bin, aber mittlerweile auf eine Zahl an Sexualpartnern komme, die im mittleren zweistelligen Bereich liegt. In den frühen Zwanzigern kokettierten die besten Freundinnen und ich mit der Anzahl der Männer, die wir hatten und auch heute noch ziehe ich Freundin N. gelegentlich damit auf, dass ich weiter vorne liege, was das angeht. Kurz: für mich war eine weniger orthodoxe Form der Partnerwahl und -zahl schon immer mindestens so einfach gewesen, wie eine geschlossene Zweierbeziehung mit einer Person des anderen Geschlechts.

Trotzdem definiere ich mich mittlerweile als seriell monogam. Ich hatte eigentlich nie zwei langfristige Beziehungen oder Affären zur selben Zeit. Ich habe es mir nicht verboten, im Gegenteil, oft habe ich auch während einer Affäre gezielt andere Männer getroffen, weil mich gerade jemand interessiert hat, weil ich Bestätigung wollte, dass ich es nicht verlernt habe oder um zumindest zu versuchen, ein zweites Verhältnis als Reserve zu installieren – so vorausschauend, wie Dosensuppen kaufen für den nächsten Atomkrieg. An zufriedenstellende Resultate kann ich mich dabei kaum erinnern. Für mich ist es so, dass ich vielleicht mit 10% meiner Sexualpartner Sex hatte, den ich als spannend, intensiv, befriedigend empfand. Einige der Leute (X., K., rf.) habe ich dann öfter getroffen, über Jahre hinweg. Mit den restlichen 90% war es zwar vielleicht nett oder abwechslungsreich, mit steigender Erfahrung reicht sowas aber nicht mehr aus. Die Aussicht auf fremde Hände, ein paar ungeschickte Stöße (oder Schläge), ein bisschen “Gefällt dir das? Magst du es so?” sind nichts mehr, was mich grundsätzlich neugierig werden lässt. Anders ist es natürlich, mit der passenden Person dahinter, denn guter Sex hat irgendwann einfach kaum noch was mit Technik, aber mit Empathie zu tun. Weil Sexualpartner allerdings und hoffentlich auch nur Menschen sind, ist es für mich schwer, jemanden zu finden, mit dem es verbal und nonverbal gleichermaßen passt.

Single as usual wende ich mich also tendenziell lieber an rf., wenn mir nach Sex und Gewalt ist, als nach neuen (im Vergleich zu ihm enttäuschenden) Möglichkeiten. Für mich persönlich macht Promiskuität kaum noch Sinn und ist höchstens eine Notlösung, in Phasen, in denen es langfristig überhaupt niemanden gibt. Seltsamerweise wird diese Einstellung von Leuten, die selbst nicht monogam sind, gelegentlich in Frage gestellt: Ob ich denn nicht mehrere Verhältnisse gleichzeitig haben wollen würde, wenn es überall gut läuft. Und ob es denn nicht Zeitverschwendung ist, gegenüber jemandem monogam zu sein, mit dem einen primär Sex verbindet. Auch wenn ich es, wie alle mit Politikprüfung im Abitur, total wichtig finde, Dinge zu hinterfragen, bin ich in dem Fall doch ein wenig skeptisch. Ich hab den Eindruck, dass das, was an der heteronormativen Zweierbeziehung kritisiert wird, also den eigenen Lebensentwurf zur Norm zu erheben, auch auf einige Leute mit mehreren Partnern zutrifft. In beiden Fällen geht man scheinbar davon aus, dass der mit der jeweils anderen Einstellung ein bisschen einfältiger und unreflektierter ist, als man selbst, anstatt einfach anzuerkennen, dass es ziemlich viele gleichwertige Möglichkeiten gibt, Beziehungen und Sexualität zu gestalten.

Vielleicht findet jemand, der Partnerwahl und -zahl anderer hinterfragt, die eigentlichen Antworten vor allem bei sich selbst: warum ist es für mich erstrebenswert, keine, eine oder mehrere Beziehungen zu führen? Wo wäre für mich der Unterschied, ob ich im Laufe meines Lebens mit 10 oder mit 100 Partnern geschlafen habe? Wann beginnt für mich Exklusivität und wo hört sie auf? Ich schätze, bei den meisten dieser Fragen wird klar, dass die Antworten ziemlich individuell ausfallen. Ich wüsste zumindest keinen objektiven Grund, mit möglichst vielen/wenigen Menschen Sex zu haben, außer eben, dass es sich gut anfühlt. Dito, was Monogamie angeht. Nun ist aber der Auslöser positiver Empfindungen generell ziemlich subjektiv, der eine spielt gerne Karten, die andere mag lieber Rugby. Bezogen auf Sex und Romantik sieht es sicherlich nicht anders aus. Es wäre sehr schön, wenn wir das alle bisschen beherzigen können, anstatt nach dem besten aller Lebensmodelle zu suchen.

Flash

“Nicht wundern, wenn es jetzt schnell geht, ich hatte seit zwei Jahren keinen Sex.” kündigt er an und weil er eh nicht zu 100% mein Typ ist, ist das jetzt auch egal. Ich lehne mich zurück und bin dann doch überrascht, als sich dieses überwältigende Gefühl einstellt, dass ich gelegentlich habe, wenn jemand in mich eindringt: Die Mischung aus unerwarteter Intimität, das Gefühl, geöffnet zu werden, ausgefüllt zu werden und dabei bis zu einem gewissen Grad die Kontrolle zu verlieren, an den Anderen und an den eigenen Instinkt.

(Natürlich geht der Rest tatsächlich ziemlich schnell über die Bühne, eine Fortsetzung ist nicht erwünscht, er gibt zu verstehen, dass er meine Entscheidung akzeptiert und schickt dann trotzdem am nächsten Tag gegenteilige Nachrichten und damit ist alles gesagt. In letzter Zeit denke ich oft, dass sich niemand so richtig für mich interessiert, aber scheinbar sind es einfach nur die Falschen.)

Louie & I

In der ersten Folge Louie trifft sich die gleichnamige Hauptfigur mit einer jüngeren Frau. Während sich Louie in seinen Vierzigern befindet, frisch geschieden ist, der Bauch mehr wird und die Haare weniger, trifft das alles natürlich nicht auf sie zu. Die Verabredung verläuft holprig und natürlich ist meist Louie für die unkomfortablen Momente zuständig. Am Ende sitzen Beide auf einer Bank und Louie hält einen seiner typischen Monologe: darüber, warum er derjenige ist, der sie beeindrucken muss und nicht umgekehrt. Obwohl er viel erfahrener ist, mehr Verantwortung trägt, als alleinerziehender Vater mehr leistet, während sie doch an erster Stelle nur jung und irgendwie süß ist.

Unabhängig davon, dass ich bei so einer Ansprache vermutlich genauso reagieren würde, wie es Louies Date letztendlich tut, ist die Szene grundsätzlich interessant. Die Frage, warum wer wen versucht zu beeindrucken, lässt sich nicht immer so einfach beantworten. Bei Louie geht es schließlich nicht nur um 15 Jahre Altersunterschied. Es geht auch um männlich oder weiblich, konventionell attraktiv oder davon abweichend, mit reproduktiven Leistungen was für die Gesellschaft getan oder nicht. Welche Faktoren wiegen mehr und unter welchen Bedingungen? Gibt es ein Diagramm über die Korrelation von sozialem Status und Alter der love interests? Was ist beliebter, reif und schlank oder jung und korpulent?

Natürlich erscheint es oberflächlich, Leute nach solchen Kriterien zu bewerten, gleichzeitig ist es aber oft Zustand. So war es zumindest vor paar Jahren in der BDSM-Subkultur üblich, dass eine Frau in den Zwanzigern überwiegend willkommen war, sich aber ein Mann über 50 mehr ins Zeug legen musste, um Bekanntschaften zu machen. Auch in komplett normalen Singlebörsen ist es überwiegend der Fall, dass man als weiblicher Nutzer eher reagiert statt agiert – ergab zumindest jahrelange Feldforschung.

Es ist natürlich klar, dass Nachfrage auch den zwischenmenschlichen Markt bestimmt und je nach Perspektive bestimmte Faktoren erstrebenswerter erscheinen als andere: wer langfristige Sicherheit möchte, hat andere Kriterien als jemand, der auf der Suche nach sexueller Erfüllung ist. Wer möglichst viele Bereiche abdeckt, ist am Ende für mehr Menschen interessant. Soweit ziemlich einfach. Wenn es um Mann und Frau im heterosexuellen Kontext geht, geht diese Logik allerdings verloren. Es ist ja nicht so, als würde ein ständiger Frauenmangel herrschen, trotzdem ist es die Ausnahme, dass Frauen die Initiative ergreifen. So zumindest die gängige Erfahrung meines Umfeldes.

Ehrlich gesagt bilde ich auch keine Ausnahme. In meinem Leben habe ich vielleicht drei oder vier Mal aktiv versucht, aus einer beiläufigen Bekanntschaft mehr zu machen und immer ging es komplett nach hinten los. Selbst wenn die Vorzeichen (Aufmerksamkeit, körperliche Präsenz, gemeinsame Unternehmungen) gar nicht so schlecht schienen. Zwar habe ich noch nie gehört, dass ein Mann es bewusst unattraktiv findet, wenn Frauen die Initiative ergreifen, aber Misstrauen weckt es vermutlich trotzdem. Wenn eine Frau sich nicht damit zufrieden gibt, auszuwählen, scheint das Angebot für sie (bzw. die Nachfrage nach ihr) doch eher bescheiden zu sein. Kurz: irgendwas stimmt mit ihr nicht.

Theorie zwei dahinter hat mit der comfort zone zu tun, in der die meisten von uns sich irgendwie befinden. Vor paar Tagen hatte ich das Thema mit einem ziemlich reflektierten Pickup Artist. Er vermutete, dass die meisten Männer, auch solche, die regelmäßig und viel Frauen ansprechen und flirten, es einfach nicht gewohnt sind, Zielobjekt zu sein. Daher reagieren sie ungeschickt, halten sich übermäßig zurück oder treffen vorschnell falsche Entscheidungen. Bei den Frauen wiederum gehört es für die wenigsten zur Routine, die Initiative zu ergreifen und Unbeholfenheit ist dann das Resultat. Weil sich im worst case also keiner von beiden wohl fühlt, lässt sich niemand mehr drauf ein und alles bleibt, wie es ist.

Selbst bin ich ein wenig hin und hergerissen. Einerseits kann ich mit meiner Passivität ganz gut leben. Weil ich sonst ziemlich selbstständig bin, finde ich es angenehm, mich auch mal zurücklehnen zu können und die Arbeit anderen zu überlassen. Plus: Interesse von außen gibt durchaus Bestätigung und Unsicherheit ist leider ziemlich oft mein Ding. Gleichzeitig ist da aber auch der Bruch mit meiner sonstigen Selbstwahrnehmung: ich bewerbe mich auf Jobs, unterschreibe Mietverträge und verreise alleine. Warum dann nicht auch konkret Interesse äußern oder Dates vorschlagen, anstatt abzuwarten, dass sich alles schon so fügen wird, wie es soll? Der Pickup Artist riet dazu, es darauf ankommen zu lassen. Schließlich ist es immer auch ein Ausschlusskriterium: Ist ein Mann, der nicht darauf klar kommt, wenn ich Initiative zeige, überhaupt der passende? Ich bin nicht sicher, ob es so einfach ist, schließlich möchte ich eigentlich auch beides: angesprochen werden, aber auch diejenige sein, die es übernimmt. Ohne, dass es am Ende zu seltsam wird.

Cool

DE, zuletzt: “Es war immer cool mit dir. Ich dachte, es könnte so bleiben, wenn es vorbei ist.”. Und Wochen später, der beste Freund: “Du hast immer so kühl über diese Dinge gesprochen – da konnte sich niemand vorstellen, dass du jemanden mehr möchtest, als umgekehrt.”.

Zwei. Zwei.

DE, die Lider gesenkt, den Mund schräg, das Schweigen durchbrochen von Gründen. Entscheidendster von allen: er fühlt nicht genug. Nicht genug für mich, nicht genug für seine Erwartungen. Und ich, ich bin so überrascht, es trifft mich alles so unerwartet, dass ich nicht weiß, wohin und zwischen verständnisvoll, geschwätzig und verstört rotiere, bis der Zug einfährt. Ein letztes Mal meine Hände in seinen und ich bin mir selber gegenüber sehr dankbar, es abgelehnt zu haben, dass wir uns weiter treffen, nur halt als Freunde. Das geht jetzt nicht.

Rf, der da ist, so wie in den letzten Jahren immer mal wieder. In dessen Wohnung ich mich überwiegend unbekleidet und auf allen vieren aufhalte und weil es schon so lange so ist, ist es nicht mehr pathetisch, sondern selbstverständlich. Mit einer Augenbinde bewege ich mich nackt durchs Dunkle, nur er kann mich sehen. Trotz aller Differenzen – bisher, jetzt, später – und den Worten, die auch hier oft fehlen, dem wenigen Wissen über einander, ist er mein Vertrauter.