And now for something completely different… nämlich der theoretische Teil. Es gab mal eine Zeit, in der ich viel und gerne über BDSM und Sexualität allgemein gelesen habe. Einerseits, weil ich zu dem Zeitpunkt weniger praktische Erfahrungen hatte, andererseits aus einer allgemeinen Neugierde heraus: Da wo es um Sex geht, sind (fast) alle dabei. Heute mal vier Bücher zum Thema, drei Handeln von BDSM, eines eher indirekt. Alle zählen eher zu den „Klassikern“ als zu den Neuerscheinungen und alle sind im Bereich „Sachbuch“ einzuordnen. Was Fiktives angeht, hab ich bisher kaum was gefunden, was nicht den Kitschsensor empfindlich berührt und de Sade ist auch eher Geschmacksache, was eine Auslegung als Erotika angeht.
Die Wahl der Qual von Kathrin Passig und Ira Strübel war eines der ersten Bücher, die ich las, als BDSM Thema wurde. Es ist kein Handbuch, in dem Praktiken vorgestellt und Sicherheitshinweise gegeben werden, auch wird nicht versucht, umfangreiche halbtagsphilosophische Begriffsdefinitionen über eher gängige Ausdrücke wie „Masochismus“ oder „TPE“ zu bieten (Ein Glossar gibt es aber trotzdem). Vielmehr befasst es sich mit dem dazugehörigen „Lifestyle“, wie man andere Sadomasochisten kennenlernt und sich irgendwie angemessen in der Szene bewegt, wie die Rechtslage aussieht (Verletzungsgefahr…), Outingnotwendigkeiten, Beziehungsprobleme und überhaupt: Erklärungsansätze und Statistiken über die Verbreitung des Phänomens. Das Gesamtpaket liest sich, obwohl trockener Stoff, recht unterhaltsam und ist durch Zitate, Cartoons, Erfahrungsberichte und kurze Exkursionen, z.B. über die PorNo-Kampagne, abwechslungsreich aufgemacht.
Tom Schmitts Bondage. Ausstieg aus der Selbstkontrolle richtet sich zwar an eine schwule Zielgruppe (Männerschwarmverlag, schon klar), ist aber trotzdem universal nützlich (oder auch nicht). Ein klassisches Handbuch, das sich aus einer Einleitung mit Begriffserklärungen, einem Teil über Sicherheit, während des Kennenlernens aber auch innerhalb einer Session und einem praktischen Teil, in dem Knoten und Techniken erklärt werden, zusammensetzt. Es kommt inhaltlich recht nüchtern daher, einige Hinweise scheinen übertrieben, weil a) naheliegend und b) auch Newbies bekannt. Persönlich hat mir das Buch nur in sofern genutzt, als dass mir klar wurde, dass Bondage weniger meinen Interessenbereich trifft. Oder kurz: Ich finde es auf einer Skala von 0 bis 10 eher langweilig, wenn ich mich zwangsläufig ruhig verhalten muss, während jemand an mir rumschnürt. Das sagt aber nichts über die Qualität des Buches aus, wenn ich es mal verliehen habe, kam es, aufgrund nachvollziehbarer Anleitungen und Übersichtlichkeit, immer recht gut an.

Das SM-Lexikon von Arne Hoffmann steht scheinbar auch in so einigen Regalen, zumindest habe ich es bereits öfters gesehen. Der Name ist eigentlich Programm, ein Lexikon über Themen, die mehr oder weniger mit Sadomasochismus zu tun haben, es umfasst neben Praktiken und Szenetermini auch Personen, Filme, Literatur und mehr. Was mich gestört hat ist die fehlende Sachlichkeit, mit der manche Themen behandelt werden. Hoffmann, der sich laut seiner Website als Teil der Männerrechtsbewegung sieht, fällt es schwer, über Punkte, die Feminismus betreffen, halbwegs neutral zu schreiben. Als einfaches Nachschlagewerk ist das SM-Lexikon ganz brauchbar, ob es in Zeiten von Wikipedia noch angemessen ist, steht auf einem anderen Blatt: Es hängt doch zu sehr von Wissensstand und Meinung eines Einzelnen ab, mit dem ich nicht immer übereinstimmte.
Zuletzt Nancy Friday Die sexuellen Phantasien der Männer. Bereits 1980 erschienen, seit 1994 in mittelmäßiger Übersetzung (Hat man statt „Dreier“ wirklich mal „Triole“ gesagt?) auch auf Deutsch erhältlich. Wobei: Momentan eher in Universitätsbibliotheken als offiziell, mein Exemplar hab ich auch nur über Umwege erhalten. Nancy Fridays Arbeiten sind Geschmacksache, man sollte weder vor Populärwissenschaften noch vor Psychoanalyse zurückschrecken. Viel spannender als Fridays Anmerkungen über Wut und Mütter sind allerdings sowieso die beschriebenen Phantasien. Mit 14, ohne Internet und Fernsehen, hab ich als Porno-Ersatz Die sexuellen Phantasien der Frauen gelesen. Beide Bücher bestehen überwiegend aus von Lesern eingesendeten Phantasien, die von Friday sortiert und gelegentlich kommentiert werden. Es ist ganz interessant zu manchen Vorstellungen, z.B. die Vorliebe für ältere Partner, eine Erklärung angeboten zu bekommen und vor allem bei Die sexuellen Phantasien der Frauen haben mich Kreativität und Abgründe erstaunt, wissenschaftlich ist das Ganze eher weniger. Stellenweise, auch aufgrund der Zeit seit der Veröffentlichung, immerhin komisch.