10. November 2009

Klar

Es wird nicht mehr viel passieren. Es ist großartig, so wie es ist und das ist schwer. Man sucht doch immer nach mehr und diese SM-Sache ist nett, aber eben doch nichts Ernstes, nichts, was dauerhaft wärmt. Andere Menschen könnten das besser.

Angst, diese anderen Menschen oder Möglichkeiten könnten stattfinden, bevor wir uns langweilen. Oder in ehrlich: Bevor ich mich langweile. Nur weil es nicht reicht, heißt es nicht, dass es nichts zu verlieren gibt.

30. Oktober 2009

Masochistic Point of View

Eine Mischung aus OP-Tisch und gynäkologischem Untersuchungsstuhl. Unter mir die Metallplatte, die sich schnell erwärmt und ihren Schrecken (die Nieren, die Nieren!) verliert. K., der erst meine Beine mit vorgesehenen Riemen in den Halterungen fixiert, dann meine Hände, oberhalb meines Kopfes. Er selbst am Kopfende, meine Wange an seiner Hand oder umgekehrt, eine Lampe blendet mich, ich schließe die Augen. Auch aus Angst. Die ersten Schläge mit dem Rohrstock auf die Innenseiten meiner Schenkel sind nicht der Rede wert. Er steigert sich. Ich möchte Fluchen und unterdrücke es. Ich schreie.

Schmerzen sind mir so unangenehm, wie vermutlich den meisten anderen Menschen auch. Zahnarztbesuche, Sonnenbrände, die Zehen am Tischbein stoßen: Darüber muss man nicht reden. Klammern, Rohrstöcke, Tacker, Nadeln, alles so, wie es sich anhört. Es tut weh, ja. Dazu der ganze Rest. Erst merkt man es an der körperlichen Reaktion, die wie in standard-prä-koitalen Situationen ist. Nur stärker. Alles ist überempfindlich, die kleinste Berührung tut unheimlich gut oder ist schrecklich schmerzhaft. Es fühlt sich ein wenig schizophren an, der Schmerz und gleichzeitig die eigene Geilheit. Je härter, umso besser. Je härter, umso schmerzhafter. Manchmal möchte man weinen, so zwiespältig, so unzertrennbar ist alles.

Mir war lange nicht klar, ob ich Masochistin bin. In den Biobüchern stand immer was von Leuten, die durch Schmerzen erregt werden. „Erregt werden“ wiederum klingt positiv, als wären Schmerzen für sie, was für andere Schreicheleinheiten sind. Schmerzen gleich geil, ganz widerspruchslos. Selbst Kommentare in SM-Communities waren nicht ergiebiger. Dort ging es auch nur um geile Sessions, genießen undsoweiter. Dass der eigentliche Spass in irgendeiner Metaebene steckt, sagte oder schrieb nie jemand. Es ist auch alles nicht so einfach.

16. Oktober 2009

Crux

Die Interessanten sind nicht interessiert und die Interessierten sind nicht interessant. Dito, was die angeht, die man zu lange hat. Eifersucht ist schlimm, fehlt sie, fehlt auch der Rest. Vertrautheit wird zur Gewohnheit/das Ungewohnte strengt an. Gleichaltrige sind unreif, Ältere unflexibel, Jüngere illegal. Aufgeschlossen sollte er sein, gleichzeitig: Nicht zu offensiv. Auf keinen Fall täglich/mehr als zwei Wochen warten sind jedoch zu viel. Dasein, wenn es nötig ist. Nur nicht sofort & auf Abruf. Intellektuell, aber keineswegs verkopft. Realistisch, aber keiner dieser bodenständigen Jungs. Natürlich: Schön (Nur nicht so sehr, dass es verunsichert). Nichts Festes, aber doch schon mehr als nur Sex. Zuverlässig, ausgeglichen, unberechenbar, abwechslungsreich (Also er, nicht ich).

5. Oktober 2009

Abscheu

[Früher] Im Park und nachts, sitze mit X. auf einer Decke, zwischen seinen Beinen, mit dem Rücken zu ihm. Er fordert mich auf, mich zurückzulehnen und die Augen zu schließen, beugt sich über mich. Sein Speichel in meinem Mund. Mittlerweile mit K. dieses Spiel übernommen.

[Früher] Mit X. unter der Dusche. Er angespannt, ich auf Knien. Warme Flüssigkeit tröpfelt über Wange, Schulter, Brust. Weder Geruch noch Ekel.

Wasche mir in K.s Bad die Hände. Er kommt herein und ich finde die Störung unangemessen. Nicht abstoßend, aber erfahrungsgemäß ist der beste Weg zum sexuellen Desinteresse fehlende Distanz: Zu viel Körper, ein Überangebot. Er hält mich vom Gehen ab, ich kauere auf dem Badvorleger, nachdem er Wasser gelassen hat, lässt er mich seinen Schwanz in den Mund nehmen.

K. kniet sich über mein Gesicht, über meinen Mund, greift mit einer Hand nach hinten, um meinen Kopf in die passende Position zu drehen. Ich beginne zu lecken und bin erstaunt über Neutralität, was Geruch und Geschmack angeht, die Weichheit der Haut dort. Jahre vorher habe ich mit dieser Praxis eher schlechte Erfahrungen gemacht.

Wir machen es anal. Nachdem es vorbei ist, kurzes Zögern, bis ich beginne, K.s Schwanz zu lecken. Später befrage ich X. dazu, der meint, er fände nichts dabei, es wäre eher versaut als eklig. Als ich entgegne, dass ich mich schließlich auch „überwunden“ habe, kommentiert er es mit „Ich weiß“.

Öfters muss ich mich überwinden, wenn es darum geht, mit jemanden aus einem Glas zu trinken.

4. Oktober 2009

Psycho

Unter den aktuellen PostSecret-Geheimnissen die Karte mit „I still think we are destined for each other… you idiot“. Spontanes Wissen, wie sich diese Erkenntnis anfühlt. Gleichzeitig denken, dass das doch komplett irre ist. Weil einseitig. Zumindest den Worten nach, „Ich konnte keine Verliebtheit feststellen“, „sie und ich…“. Aber auch: „Du weißt genau, dass es zwischen uns immer schon anders war“. Hoffentlich endet das nicht mit nächtlichen Anrufen und dann auflegen oder Auflauern im Wohnviertel. Leider läuft es auch nach einem Jahr nicht vollständig unter „Jemand, den ich mal näher kannte“.

23. September 2009

Dienstag

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22. September 2009

Montag

Bei ihm. Die Schuhe stehen aufgereiht neben der Tür. Bei den Rohrstöcken im Schlafzimmer dasselbe. Ich sitze nackt auf einem Stuhl, unter mir ein Handtuch. Meine Augen verbunden, die Hände hinterm Rücken, dass sie fixiert werden, wollte ich nicht. Er ist in der Wohnung unterwegs, kramt in Schubladen, sucht noch nach Dingen, die er für den Verlauf des Abends benötigt. Zwischendrin kommt er zu mir, streichelt mich oder gibt mir Ohrfeigen, wenn ich nicht ganz so sitze, wie er es sich vorstellt.

Auch wenn ich seine Pläne kenne, den Verlauf nicht mitverfolgen zu können macht mich wehleidig und überempfindlich. Jeder Handgriff lässt mich jammern, bei Kleinigkeiten drehe ich mich weg, mache mich klein. Irgendwann versteht er, nimmt die Augenbinde ab, lässt mich zusehen. Wie er das Desinfektionsmittel verteilt, die Nadeln auspackt, zu erst die rechte Brustwarze. Es tut weh, genug um aufzuschreien, lauter als der Kindergeburtstag, ein Stockwerk tiefer. Aber es ist schnell vorbei, dieselbe Prozedur bei der linken Brustwarze. Er lächelt, wir küssen uns, mich irritiert das Blut, nachdem er die Nadeln wieder entfernt hat.

20. September 2009

Unterstes Fach

And now for something completely different… nämlich der theoretische Teil. Es gab mal eine Zeit, in der ich viel und gerne über BDSM und Sexualität allgemein gelesen habe. Einerseits, weil ich zu dem Zeitpunkt weniger praktische Erfahrungen hatte, andererseits aus einer allgemeinen Neugierde heraus: Da wo es um Sex geht, sind (fast) alle dabei. Heute mal vier Bücher zum Thema, drei Handeln von BDSM, eines eher indirekt. Alle zählen eher zu den „Klassikern“ als zu den Neuerscheinungen und alle sind im Bereich „Sachbuch“ einzuordnen. Was Fiktives angeht, hab ich bisher kaum was gefunden, was nicht den Kitschsensor empfindlich berührt und de Sade ist auch eher Geschmacksache, was eine Auslegung als Erotika angeht.

Die Wahl der Qual von Kathrin Passig und Ira Strübel war eines der ersten Bücher, die ich las, als BDSM Thema wurde. Es ist kein Handbuch, in dem Praktiken vorgestellt und Sicherheitshinweise gegeben werden, auch wird nicht versucht, umfangreiche halbtagsphilosophische Begriffsdefinitionen über eher gängige Ausdrücke wie „Masochismus“ oder „TPE“ zu bieten (Ein Glossar gibt es aber trotzdem). Vielmehr befasst es sich mit dem dazugehörigen „Lifestyle“, wie man andere Sadomasochisten kennenlernt und sich irgendwie angemessen in der Szene bewegt, wie die Rechtslage aussieht (Verletzungsgefahr…), Outingnotwendigkeiten, Beziehungsprobleme und überhaupt: Erklärungsansätze und Statistiken über die Verbreitung des Phänomens. Das Gesamtpaket liest sich, obwohl trockener Stoff, recht unterhaltsam und ist durch Zitate, Cartoons, Erfahrungsberichte und kurze Exkursionen, z.B. über die PorNo-Kampagne, abwechslungsreich aufgemacht.

Tom Schmitts Bondage. Ausstieg aus der Selbstkontrolle richtet sich zwar an eine schwule Zielgruppe (Männerschwarmverlag, schon klar), ist aber trotzdem universal nützlich (oder auch nicht). Ein klassisches Handbuch, das sich aus einer Einleitung mit Begriffserklärungen, einem Teil über Sicherheit, während des Kennenlernens aber auch innerhalb einer Session und einem praktischen Teil, in dem Knoten und Techniken erklärt werden, zusammensetzt. Es kommt inhaltlich recht nüchtern daher, einige Hinweise scheinen übertrieben, weil a) naheliegend und b) auch Newbies bekannt. Persönlich hat mir das Buch nur in sofern genutzt, als dass mir klar wurde, dass Bondage weniger meinen Interessenbereich trifft. Oder kurz: Ich finde es auf einer Skala von 0 bis 10 eher langweilig, wenn ich mich zwangsläufig ruhig verhalten muss, während jemand an mir rumschnürt. Das sagt aber nichts über die Qualität des Buches aus, wenn ich es mal verliehen habe, kam es, aufgrund nachvollziehbarer Anleitungen und Übersichtlichkeit, immer recht gut an.

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Das SM-Lexikon von Arne Hoffmann steht scheinbar auch in so einigen Regalen, zumindest habe ich es bereits öfters gesehen. Der Name ist eigentlich Programm, ein Lexikon über Themen, die mehr oder weniger mit Sadomasochismus zu tun haben, es umfasst neben Praktiken und Szenetermini auch Personen, Filme, Literatur und mehr. Was mich gestört hat ist die fehlende Sachlichkeit, mit der manche Themen behandelt werden. Hoffmann, der sich laut seiner Website als Teil der Männerrechtsbewegung sieht, fällt es schwer, über Punkte, die Feminismus betreffen, halbwegs neutral zu schreiben. Als einfaches Nachschlagewerk ist das SM-Lexikon ganz brauchbar, ob es in Zeiten von Wikipedia noch angemessen ist, steht auf einem anderen Blatt: Es hängt doch zu sehr von Wissensstand und Meinung eines Einzelnen ab, mit dem ich nicht immer übereinstimmte.

Zuletzt Nancy Friday Die sexuellen Phantasien der Männer. Bereits 1980 erschienen, seit 1994 in mittelmäßiger Übersetzung (Hat man statt „Dreier“ wirklich mal „Triole“ gesagt?) auch auf Deutsch erhältlich. Wobei: Momentan eher in Universitätsbibliotheken als offiziell, mein Exemplar hab ich auch nur über Umwege erhalten. Nancy Fridays Arbeiten sind Geschmacksache, man sollte weder vor Populärwissenschaften noch vor Psychoanalyse zurückschrecken. Viel spannender als Fridays Anmerkungen über Wut und Mütter sind allerdings sowieso die beschriebenen Phantasien. Mit 14, ohne Internet und Fernsehen, hab ich als Porno-Ersatz Die sexuellen Phantasien der Frauen gelesen. Beide Bücher bestehen überwiegend aus von Lesern eingesendeten Phantasien, die von Friday sortiert und gelegentlich kommentiert werden. Es ist ganz interessant zu manchen Vorstellungen, z.B. die Vorliebe für ältere Partner, eine Erklärung angeboten zu bekommen und vor allem bei Die sexuellen Phantasien der Frauen haben mich Kreativität und Abgründe erstaunt, wissenschaftlich ist das Ganze eher weniger. Stellenweise, auch aufgrund der Zeit seit der Veröffentlichung, immerhin komisch.

20. September 2009

Andere I

Kleine Leseempfehlung zum Sonntag: Intimes Tagebuch. Kühl, distanziert, beobachtend. Wäre ich ein Mann, würde ich gerne so über Sex bloggen.

12. September 2009

Von Außen

Nach der Session haben wir Sex. Auf dem orthodoxen Weg, er über mir, rein-raus. Dabei flüstert er mir ins Ohr, darüber, was wir machen, was wir machen werden, dass ich ihm gefalle, so unter Schmerzen.

Tage später Nachricht von X.. Wir mailen ein wenig, über das Befinden, Alltägliches, Vergangenes. Ich erzähle ihm von meiner zunehmenden Neigung, was schmerzhafte Praktiken angeht, in diesem Fall Schläge bis aufs Blut, etwas, was mir zu seiner Zeit eher fiktiv erschien. Er gibt sich wenig erstaunt, „Schmerz stand dir schon immer.“.

Ich freue mich über das Kompliment, muss aber gleichzeitig an Jesus-Skulpturen denken, die mit verdrehten Augen und hervortretenden Rippen in Kirchen hängen. So rein ist diese Angelegenheit wohl kaum, dafür aber bodenständig. Werde mir demnächst einiges an Arbeit sparen können, wenn ich mir vorm Weggehen ordentlich die Hand einklemme.