Short Stories

Zwei Mal neben DE einschlafen, zwei Mal neben DE aufwachen. Nur unsere Hände berühren sich, wie immer reden wir viel, stehen viel zu spät auf und dann ist es schon wieder Sonntag. Es sind immer noch drei Monate. Er beschreibt die Zeit danach, gemeinsame Nächte und Wochenenden, die kommen werden und uns und Sex im Überfluss. Die ersten fünf Monate ohne ihn waren leichter.

Besuch bei rf. Im Laufe des Nachmittages weine ich in eine Maske. Später, immer noch blind, lässt er mich mit gespreizten Beinen auf dem Bett liegen. Er fordert mich auf, es mir selbst zu machen. Er berührt mich nicht, ich spüre, wie er zwischen meinen Beinen kniet, höre, wie sein Atem immer schneller geht. Kurz bevor seine Freundin kommt, verabschieden wir uns von einander.

Ich hoffe, dass Ted Mosby stirbt

Okay, How I Met Your Mother gehört jetzt nicht zu den stärksen Serienformaten. Die Folgen unterscheiden sich unwesentlich und schon der Titel verrät, worauf das Ganze am Ende hinauslaufen wird*. Trotzdem gucke ich es regelmäßig, da es einfach entspannte Ablenkung beim Bügeln, Abwaschen oder Hornhaut raspeln ist. Letztens fiel mir dabei auf, was mich an HIMYM noch nervt, über die Irrelevanz der Protagonisten hinaus: die dargestellte Notwendigkeit, dass am Ende alle Menschen paarweise in Erscheinung treten müssen. Arche Noah als Lebensgefühl.

Es ist ja nicht nur das seichte Programm wie HIMYM, die aus der romantischen Zweierbeziehung den Sinn des Lebens macht. Grundsätzlich finde ich das auch nicht schlimm, lese ich doch selbst gerne Mal Jane Austen, mag Filme wie When Harry Met Sally und hoffe insgeheim (oder offensichtlich), irgendwann auch mal jemanden zu finden, mit dem ich mein Essen teilen würde. Ein wenig Misstrauen bleibt dennoch, denn ich weiß nicht, ob ich wirklich einen anderen Menschen dauerhaft und mit Vollkontakt in meinem Leben haben möchte, oder ob ich nur glaube, es zu wollen, weil ich in eine Welt voller romantischer Geschichten sozialisiert wurde.

Unabhängig von der Frage, was wir wollen (und meiner Meinung nach wichtiger), ist die Frage, was überhaupt möglich ist. Eine Freundin hatte einen Studentenjob bei einem Verein, der sich um alleinstehende Senioren kümmerte. Einige dieser Menschen waren verwitwet oder auch geschieden, es gab aber auch etliche, die nie verheiratet waren und auch nicht in wilder Ehe oder ähnlichen Verhältnissen gelebt hatten. Sie waren nicht verwahrlost, weder körperlich noch geistig, sie waren einfach nie in der Situation gewesen, dass es einen Menschen gab, mit dem eine langfristige Partnerschaft in Frage kam. Die Wahrheit ist, dass einige von uns ihr Leben alleine verbringen werden. Es gibt kein Recht auf Liebe. Darauf müssen wir klar kommen. Kommen wir darauf klar?

Während ich diesen Text schreibe, überlege ich, ob mir ein Buch oder Film einfällt, der von einem Leben alleine handelt, ohne dass die Hauptfigur am Ende in einer Waldhütte Waschbären häutet oder mit dem Luftgewehrt auf Schulkinder schießt. Leider fällt mir spontan nichts ein, was aber auch nicht repräsentativ sein muss. Ist schließlich auch nicht unbedingt etwas, was ich lesen wollen würde. Was aber auch nur wieder ein Synonym dafür ist, dass für mich die Erfahrungen einer einzelnen Person mit sich selbst** nicht so spannend sein können, wie das, was zwei Menschen an einander haben.

Rein ideologisch fände ich es dennoch interessant und wichtig, dass es mehr Geschichten über Menschen gibt, die ein halbwegs ausgeglichenes Leben alleine führen (beziehungsweise sich dorthin entwickeln, Geschichten über Paare sind schließlich auch nicht konfliktfrei). So wie Medien unsere Vorstellungen von Liebe, Sex, Romantik prägen, prägen sie schließlich auch unsere Vorstellungen davon, was man mit sich anfangen kann, wenn es keinen Anderen gibt. Alleine leben wird dann schnell mit Isolation und Einsamkeit assoziiert. Wer denkt bei “Alleinstehender Mann, Mitte 50, nie verheiratet, unauffällige Lebensweise.” spontan an etwas, was wesentlich von Ja!-Aufschnitt in Plastikverpackungen, langen Unterhosen und abgestandenem Pils neben einem flimmerndem Spielautomaten abweicht?***

Nach der Trennung meiner Eltern hatte meine Mutter einige Verabredungen. Dabei stellte sie fest, dass Männer in ihrer Altersgruppe kaum grundlos alleinstehend sind und widmete sich fortan der Gartenarbeit (dem Kirchenchor, jährlichen Reisen, der Lokalpolitik, Handarbeiten, Wanderungen, ihrem unübersichtlichen Freundeskreis und natürlich ihrer Vollzeitbeschäftigung). Ein Mal fragte ich sie, ob sie sich alleine fühlt, weil mittlerweile alle Kinder aus dem Haus sind, aber dafür fehlt ihr die Zeit. Auch wenn ich hoffe, nie in so eine Situation zu kommen (Die Auswirkung der Paar-Ideologie?), finde ich es gut, dass sie konsequent ist. Anders als ihre eigene Mutter, die ihr Leben mit einem Mann verbringt, mit dem sie sich nichts zu sagen hat und wenn doch, dann nichts Gutes.

Es macht mich nachdenklich, dass ich selbst, trotz schlimmer Paare und halbwegs zufriedener Langzeitsingles in meinem Umfeld, eher auf eine funktionale Zweierbeziehung als auf ein Happy End alleine hoffe. Die Faktenlage spricht nicht zwangsläufig für ein Leben zu zweit, denn für geselliges Miteinander, finanzielle Sicherheit und regelmäßigen Sex gibt es auch andere Ressourcen. Wie weiter oben schon angedeutet, habe ich keine Ahnung, ob es Sozialisation oder Biologie ist, was Partnerschaften so erstrebenswert erscheinen lässt. Was ich schön fände wäre allerdings, wenn Single-sein irgendwann nicht nur ein Ausnahmezustand ist. Wenn im Fernsehen nicht mehr alle heiraten müssen, damit die Gleichung aufgeht. Daher hoffe ich, dass Ted Mosby in der finalen HIMYM-Folge die Treppe runter- und ins Koma fällt und die Dialoge mit seinen zukünftigen Kindern nur geträumt sind. Oder so ähnlich.

*An dieser Stelle hoffe ich aufrichtig, dass die Produzenten auf die letzten Folgen hin nicht noch experimentierfreudig werden, weil: wird sonst peinlich.

**Höhö.

*** Ebenfalls peinlich: wenn ich die Einzige mit solchen Assoziationen bin.

*

“Es ist gut, dass ich dir nicht fehle. Und es ist gut, dass du dich auf das Wiedersehen freust.”

Der Nebeneffekt

Das ich für Sex Geld bekam, kam bisher eher selten vor. Wenn, dann war es nicht systematisch. Eher ein Angebot, dass zum Argument wurde. Eine Gelegenheit, die ich nutzte. Von Prostitution habe ich dadurch genauso viel oder wenig Ahnung wie die meisten Menschen. Ich vermute, dass die Realität irgendwo zwischen den unterschiedlichen Perspektiven liegt: Auf der einen Seite sexpositive Feministinnen und Sexworkerinnen, die aufgrund von Ausbildung und Herkunft gute Alternativen haben, um Lohnerwerb und Selbstverwirklichung zu verbinden. Auf der anderen Seite stehen EMMA-Leserinnen und Polizisten/Sozialarbeiter/Journalisten, die berufsbedingt dann mit Prostitution zu tun haben, wenn was schief läuft. Die einen argumentieren mit der eigenen Entscheidungsfreiheit, die anderen mit Worst case-Szenarien.

Trotz allgemeiner Unentschlossenheit erscheint mir ein Verbot von Prostitution (oder zumindest der Inanspruchnahme entsprechender Dienstleistungen) unlogisch. Gegen Gewalt in der Ehe geht man auch nicht vor, in dem man die Zweierbeziehung als solche abschafft. Beim Thema Polizeigewalt fordern die Wenigsten die Auflösung der Staatsmacht an sich. Stattdessen versucht man es mit Hilfsangeboten für Betroffene, mit Sensibilisierung potentieller Täter oder Zeugen, mit Transparenz bei involvierten Institutionen. Mir ist unklar, warum man so etwas nicht auch dort fördert, wo es um Risiken geht, die aus Sexarbeit hervorgehen können.

Unabhängig davon, in wie weit jemand selbst von Prostitution betroffen ist, ist die Debatte auch interessant, weil sie zeigt, wie Sexualität in unserer Gesellschaft aktuell gesehen wird. Zumindest dann, wenn es nicht unmittelbar um Menschenhandel, sondern um Prostitution allgemein geht. Gegen Prostitution wird oft angeführt, dass Sex etwas ist, was unbedingt mit Liebe oder doch zumindest mit Lust verbunden sein sollte. Ist natürlich toll, wenn beides der Fall ist, aber es ist genauso menschlich, wenn weder das eine, noch das andere zutrifft. Im Gegensatz zu Rind und Katze ist Mensch in der Lage, bewusst Entscheidungen zu treffen, anstatt sich einfach von Impulsen leiten zu lassen. Sofern anatomisch möglich, kann man so auch ohne unmittelbares Verlangen sexuell interagieren. Entsprechend sind Lust und Zustimmung gelegentlich zwei paar Schuhe.

Auch ohne Prostitution gibt es einige Gründe für Sex, bei denen Lust bestenfalls nebensächlich ist. Mich haben u.A. motiviert: Neugier, Langeweile, Einsamkeit, Suche nach extremen Erfahrungen, das Bedürfnis, jemandem, an dem mir was liegt, was Gutes zu tun. Natürlich war das Resultat nicht immer befriedigend. Ist es schließlich bei Lust als Auslöser auch nicht. Aber ich habe dadurch nicht meine Würde verloren: ich habe mich dafür entschieden, ohne Zwang, weder durch Konventionen, noch durch den jeweiligen Mann. Schlechter Sex kommt eben vor, genauso wie schlechtes Essen. Das ist unerfreulich, aber nicht traumatisierend.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der These, dass Sex unbedingt was Intimes, Privates ist (und daher als Ware immer auch die „Seele“ der Anbieterin beinhaltet). Im Kern mag es vielleicht stimmen, wo die Privatsphäre anfängt, entscheidet jedoch jeder für sich selbst. Mit Sex verhält es sich genauso, ein Wort oder eine Berührung kann je nach Kontext beiläufig oder aufgeladen sein. Manche Menschen besuchen Swingerclubs, andere bleiben lieber zu Hause. Die einen behandeln ihren Körper wie einen Tempel, die anderen sind eher säkular unterwegs. Persönlich finde ich Wünsche äußern, Gefühle artikulieren, meine Meinung sagen wesentlich intimer, persönlicher als Geschlechtsverkehr. Biologisch unterscheiden sich Menschen nicht wesentlich. Wenn ich mit jemanden Sex habe, passiert wenig, was sich nicht auch im Voraus grob erahnen lässt. Wenn ich etwas sage, setze ich mich viel stärker der Gefahr aus, nicht angenommen zu werden. Sex wurde immer dann für mich intim, wenn es nicht nur um die Basics ging.

Ich möchte nicht behaupten, dass jeder meine Einstellung zu Sex teilen soll. Genauso wenig möchte ich gesagt bekommen, wie mein Sex zu sein hat. Talkrunden, Artikel und Bücher zu Prostitution haben leider gelegentlich diesen Nebeneffekt. Sexualität ist subjektiv und ich gehe davon aus, dass es auch für Menschen gilt, die damit ihr Geld verdienen.

Oversexed

Im Nachhinein weiß ich nicht genau, wann es anfingt. Vermutlich Ende letzten Jahres, langsam und leise und so diskret, dass ich es erst für ein Symptom einer Winterdepression hielt. Oder für das Resultat des gelegentlichen Kummers um und wegen rf. Dann war es plötzlich März. Und dann Sommer. Dann lernte ich DE kennen. Jetzt ist DE weg und es wird langsam wieder Winter. Das Symptom aber ist geblieben und dadurch kein Symptom mehr, sondern normal: mein sexuelles Verlangen ist fast ganz verschwunden.

Sex war mir den Großteil meines Lebens sehr, sehr wichtig. Es gab eigentlich immer eine Erfahrung, auf die ich neugierig war. Phantasien, dich ich umsetzen wollte. Affären, die ich hatte und wenn mal nicht, dann litt ich darunter. Ich las über Sex, ich dachte an Sex, ich hatte Sex. Auch jetzt ist es nicht so, dass ich komplett im Desinteresse versinke und meine freie Zeit mit Heimwerken und Serien gucken ausfülle. Nur ist Sex in den letzten Monaten unheimlich nebensächlich geworden.

Irgendwann, noch mit rf, fiel mir auf, dass ich eigentlich den Teil des Abends am angenehmsten fand, an dem wir ohne viel zu sagen nebeneinander auf dem Sofa lagen. Der Fernseher lief, wie waren nackt und müde. Obwohl wir auch noch Sex und Sessions hatten, machte das Rumliegen den Großteil des Abends aus und störte mich nur in sofern, als dass ich mich als Affäre verpflichtet fühlte, doch bisschen mehr Leidenschaft mitzubringen. Später mit DE kam mir dann die gemeinsame Geschwätzigkeit sehr gelegen. Wenn wir uns trafen, musste erst ein Mal von Thomas Mann bis Familienstreitereien alles aufgearbeitet werden. Nach drei oder vier Stunden blieb Sex nur als Extra, kurz vor Schluss.

Dieser Zustand ist eigentlich gar nicht so unpraktisch. Unterm Strich sind Verabredungen, romantische Verwicklungen und sexuelle Eskapaden durchaus zeitaufwendig, sofern mit einer gewissen Leidenschaft betrieben. Nicht nur währenddessen, auch die Einstimmung davor und das Kopfzerbrechen anschließend. Minus Sex ist plus sonstige Interessen. Dass ich ausgerechnet in dieser eher enthaltsamen Phase beruflich verhältnismäßig vorangekommen bin, ist sicher kein Zufall. X., der sich nach einem Jahr Funkstille wieder gemeldet hat, konnte an sich ganz Ähnliches beobachten. Was Sublimierung angeht, scheint der alte Freud wohl recht zu haben.

Dennoch: mein Körper ist mir fremd geworden. Anfassen, gleich ob aktiv oder passiv, löst verhältnismäßig wenig aus. Es ist ein bisschen so, als wäre ich selbst weniger vorhanden, zumindest auf physischer Ebene. Sex hat mich in den letzten Monaten nicht abgestoßen, aber auch nicht so angezogen wie einst. Dieser unbestimmte Zustand bietet wenig Möglichkeiten zur Selbstwahrnehmung. Sex fehlt mir auch als Kommunikationsmittel. Als Antrieb, um überhaupt mit Männern in Kontakt zu kommen (Und nebenbei: Sex war immer auch der Anlass, Menschen näher zu kommen, mit denen aufgrund unterschiedlicher Lebensstile, Alter oder Herkunft wenig Gemeinsamkeiten bestanden. Ein soziales Gleitmittel quasi, dass sich für Klasse, Religion und Ethnie wenig interessierte.). Als Möglichkeit, Aufmerksamkeit und Zuneigung zu zeigen, manchmal sind Worte eben doch nur unzureichend.

Gelegentlich tauchen in Zeitschriften und Blogs Meldungen über luststeigernde Medikamente für Frauen auf. Oft werden solche Entwicklungen kritisiert, weil dadurch angeblich Frauen zum Sex aufgefordert werden, die eigentlich nicht wollen. Weil es nur eine weitere Unterwerfung an fremde Perfektionsansprüche ist. Das ist es aber nur, wenn man Sexualität auf den Aspekt der körperlichen Befriedigung reduziert. Vor allem auf die Befriedigung anderer. Sex als soziale Praxis und Lust als Bedürfnis kommen bei dieser Sichtweise zu kurz. Wenn ein guter Esser langfristig keinen Appetit hat, fällt es auch negativ auf.

Long Goodbye

Als er aus der Dusche kommt, sitze ich noch am Tisch. Er stellt sich hinter mich, streicht mir mit der Hand über Schulter und Schlüsselbein, beugt sich zu mir runter. Wir küssen uns. Seine Lippen, weich und genau richtig feucht und so verschlissen dieser Vergleich auch ist, fühlen sich an, wie reifes Obst. Ich schmecke ihn, sein warmer, geöffneter Mund, seine Unterlippe zwischen meinen Lippen, meine Hand an seiner Wange.

Auf dem Bett liegen wir eng umschlungen, meine Beine um seine Hüfte, noch bekleidet bewegen wir uns gegeneinander. Irgendwann liegt er auf mir, meine Hand an seinem Schwanz, unsere Münder nach wie vor auf einander gepresst. Als er auf meinen Bauch kommt, spüre ich es nicht. Er muss meine Hand wegschieben, damit ich ihn nicht überreize, bleibt dann aber noch einige Minuten so liegen.

Dann wieder nebeneinander, unter der Decke. Natürlich gibt es nichts, was man in so einer Situation sagen kann, deswegen erzählt er, dass er ab jetzt zölibatär sein möchte. Zumindest so lange es um freie Zeit so schlecht steht: “Es wird nie wieder so einfach sein, wie mit dir.”. Ich versuche, nicht so genau zuzuhören, wetten möchte er schließlich um das Vorhaben auch nicht. Außerdem ist er schon ab dem Sommer wieder da.

Ich frage ihn, ob er mich noch mal nehmen kann, bevor er geht. Er nuschelt was Richtung “Mal sehen, was sich machen lässt.”, fasst mir dann zwischen die Beine. Nach dem Höhepunkt hört er nicht auf, mich zu streicheln. Er zieht mich an sich, ich drehe mich auf den Bauch, er an meiner Seite, seine Lippen entlang meiner Wirbelsäule, an meinen Schultern, vergräbt sein Gesicht in meinen Haaren.

Beim Packen spürt er den Abschied und ich fühle wenig. Der Moment ist da, der mir über Monate immer mal wieder Angst gemacht hat. Vor allem deswegen, weil ich keine Vorstellung hatte, wie sehr es mich treffen würde. Zuletzt war es gelegentlich schwierig mit uns. Zumindest für mich, weil ich nie wusste, ob manche seiner Äußerungen ein Zeichen von mangelnder Kompatibilität sind oder etwas, was ich für das große Ganze tolerieren kann. Seine Abwesenheit zögert diese Entscheidung heraus, macht sie vielleicht sogar überflüssig. Wiedersehen würden wir uns aber gerne.

Nichts

Er holt mich ab und wir gehen essen. Auf dem Weg zum Restaurant loser Smalltalk: Wie war deine Woche, was macht der Job. Plötzlich fühle ich mich unbeteiligt und bin darüber erleichtert. Auch während uns später am Tisch gegenüber sitzen, ändert sich daran wenig. Das Gespräch ist in Ordnung, ist schließlich nicht so, als wären wir beide auf einmal dumm und unlustig geworden. Und doch fühlt es sich ein wenig müde und schwer an und ein Mal muss ich überlegen, was ich sagen soll. Wir reden über vieles, außer über uns.

Auf dem Rückweg kommen wir dort vorbei, wo wir uns das erste Mal trafen. Obwohl es meine Nachbarschaft ist, erkennt er die Straßen wieder. Legt mir den Arm um die Taille und ich schiebe eine Hand unter seine Jacke, lege sie ihm auf den Rücken. Es wird Herbst. Wir bleiben immer wieder stehen um uns zu küssen. Ich sage ihm, dass er mir fehlen wird und meine es in diesem Moment auch so. Er entgegnet, dass es ihm ebenfalls nicht egal ist, es wäre ja nun nicht so, als hätte er keine Gefühle.

Später bringt er mich ins Bett. Weil ich am nächsten Tag früh aufstehen muss, möchte ich keinen Sex. Er legt sich trotzdem zu mir unter die Decke, umarmt mich. Eine Woche haben wir noch.