Sage zu L., dass ich ihn nicht gleich rauswerfen werde, nur weil der Sex vorbei ist. Währenddessen sitze ich mit angezogenen Beinen auf der Matratze die mein Bett ist, umarme meine Knie und schaue zu, wie er sich anzieht. Er legt sich wieder hin, winkelt seinen Arm ab und bietet mir an, mich zu ihm zu legen. Ich zögere, antworte etwas mit „strange“ und komme dem Vorschlag nach.
Wir liegen unter der Decke, mein Kopf auf seiner Armbeuge, mein Arm über seiner Hüfte, sein Knie zwischen meinen Beinen. 15 Minuten. 20 Minuten. 30 Minuten. Vielleicht länger. Ich weiß es nicht. Genauso wenig wie ich weiß, ob mir diese plötzliche Zutraulichkeit nach 5 Jahren unheimlich ist oder ob ich es schön finden soll. Die ersten Minuten fällt es mir schwer, nicht aufzuspringen. Ich will umherlaufen, lesen, Unfug reden oder mir Schmerzen zufügen. Dann wird sein Atem ruhiger und ich auch. Es fühlt sich nicht verkehrt an, doch wenn ich die Augen aufmache befremdet es mich, ihn so nah zu sehen. Ich halte sie geschlossen.
Dann ist er gegangen und ich bin verunsichert. Die Zeit romantischer Empfindungen und Erwartungen ihm gegenüber ist vorbei. Das macht es nicht einfacher. Vor paar Jahren konnte ich wenigstens hoffen, dass er sich bald wieder meldet, dass wir uns bald wieder treffen, ich konnte mir ausmalen, dass das mal irgendwas wird, was auch immer und mich reinsteigern. Jetzt verunsichert mich der Gedanke, dass das eben erlebte eine einmalige, spontane Indiskretion war und das es jetzt wieder Monate oder Jahre dauern kann, bis das Ganze aufgelöst wird. Andererseits ist es auch kein Grund, bald ein neues Treffen zu initiieren, denn es ist mehr mit Mühen verbunden als befriedigend. Es ist nur diese kleine Unsicherheit.