Vor einigen Monaten stieß ich beim Surfen auf einer Porno-Seite auf einen Clip mit Audrey Hollander. Getaggt war er als etwas härterer Stoff, also das, wonach ich suchte. Wiedermal Political Correctness hin oder her, was Pornos angeht interessieren mich weder gelungene ästhetische Gesamtkonzepte mit Handlungsansatz, noch People-next-door: Ich mag es eindeutig, mindestens etwas brutal und optisch halbwegs glatt.
Besagter Clip begann damit, dass Audrey, über einem riesigen Plug hockend, zwei Männern abwechselnd einen blies. Anschließend Penetration, Vaginal, Anal, Beides gleichzeitig, doppelt Anal. Mir gefiel die Performance, gerade auch weil erniedrigende Aspekte auftauchten, beispielsweise Würgen, leichte Schläge, grobe Berührungen, Anspucken. Zu dem fand ich Audrey nicht nur hübsch, sondern sie erschien auch authentisch.
Als ich las, dass 9to5 – Days in Porn auch von ihr handeln würde, wollte ich ihn gerne sehen. Einerseits, weil es mich interessierte, wie sie angezogen rüberkommen und was sie sagen würde, primär aber aus vulgärer Neugierde. Wo es um Sex geht, ist man schnell dabei.
Neben Audrey Hollander handelt die Dokumentation von weiteren Leuten, die vor oder hinter der Kamera, als DarstellerIn, Agent oder Regisseur, an der Produktion von Pornofilmen beteiligt sind, Namen wie Sasha Grey, Katja Kassin, Belladonna und John Stagliano. Jens Hoffmann zeigt sie bei den Vorbereitungen am Set und beim Dreh, lässt sie zu Wort kommen, von Berufswahl, Erfahrungen und Privatleben erzählen.
Die Meinung wird dem Zuschauer überlassen. Einerseits berichten die Darsteller, wie zufrieden sie mit dem, was sie machen sind. Das es ein Job ist, wie jeder andere auch, den man gut machen kann, so lange man weiß, was man tut, Realität und Zukunft im Auge behält, Leben außerhalb der Branche hat. Andererseits wird aber auch erwähnt, dass es nach wie vor ein hartes Geschäft ist, in aller Doppeldeutigkeit. Achtzehnjährige Mädchen, denen etwas zu spät klar wird, was es überhaupt heißt, vor laufender Kamera Analsex zu praktizieren und Spass vorzutäuschen, selbst wenn es schmerzhaft ist oder die osteuropäische Darstellerin, die mit Mitte 20 nervös wird, in Anbetracht des voranschreitenden Alters und der Perspektivlosigkeit.
Argumente gegen Hardcorepornos sind bekannt: DarstellerInnen mit psychischen Problemen und Drogenkonsum. Frauen, die zu Handlungen genötigt werden. Sexismus aufgrund der Darstellung von Frauen als immer willige (oder eben auch nicht) Wesen, die jederzeit und universell penetrierbar sind. Gewaltdarstellungen in Verbindung mit Sex, die der scheinbar nach wie vor gängigen Auffassung von Sex als untrennbar von Zuneigung und Zärtlichkeit widersprechen, dafür aber den regelmäßigen Konsumenten manipulieren.
Persönlich habe ich meinen Hardcoreporno-Konsum nie als problematisch empfunden. Gewiss gibt es Filme, die man lieber nicht sehen will. Aber das sind nicht die, bei denen Darstellerinnen angespuckt oder geohrfeigt werden, sondern, eher die, in denen sich eine apathisch dreinblickende, mit Silikon vollgestopfte Darstellerin irgendwie stoßen lässt, um mit dem Takt „Ah“ zu sagen. Beliebigkeit wird, meiner Wahrnehmung nach, mit dieser Art Film suggeriert, nicht durch die Darstellung eindeutig erniedrigender Praktiken. Darstellerinnen wie Sasha Grey oder Belladonna haben trotz dem was sie tun Namen und Gesicht und glaubt man ihren Aussagen, die doch recht ausführlich sind und authentisch erscheinen, öfters Spass an ihrem Beruf.
Schwierig sehe ich vor allen den Rezipienten. Weniger deswegen, weil er derjenige ist, der Anforderungen stellt, viel mehr, wie mit dem Konsum umgegangen wird. In Internetforen, in denen Filme und DarstellerInnen thematisiert werden, herrscht häufig ein erschreckend negativer, abwertender Tonfall. Verallgemeinerungen wie „Pornos fördern Misogynie“ wären meiner Meinung nach trotzdem nicht angebracht, allein schon wenn man sich bewusst macht, wer sich alles welche ansieht.
2 Kommentare
6. Juli 2009 um 9:26
Ein schöner Artikel, danke hierfür. Ich sehe es ähnlich wie Du. Auch ich, als Frau, konsumiere gerne Pornographie und zwar auch „härtere“, weil ich das beim Sex auch bevorzuge. Ab und an eine Ohrfeige, angespuckt werden und würgen runden für mich Sex ab. Zwar nicht immer, Kuschelsex hat komischer Weise einen schlechten Ruf, aber häufig.
Ich glaube, das Problem ist einfach, dass manche Menschen kein richtiges Abstraktionsvermögen haben. Andererseits kann ich mir durchaus auch vorstellen, dass in der Porno-Branche Dinge abgezogen werden, die alles andere als menschenwürdig sind. Und ich habe auch das ein oder andere Mal sehr mitleidserregende Darstellerinnen gesehen.
6. Juli 2009 um 7:49
Da kann ich wiederum nur zustimmen. Das Problem ist imho nicht die Darstellung von hartem Sex an sich, sondern die Gewissheit um gute Arbeitsbedingungen.
Da es genug Frauen gibt, die auf harten Sex stehen, ist es naheliegend anzunehmen, dass es auch genug gibt, die kein Problem damit haben, ihn vor der Kamera „darzustellen“.