Vier oder fünf

by wg

Von K. nichts Neues. Manchmal meldet er sich tagelang nicht, dann entschuldigt er sich wieder dafür. Die Arbeit reibt ihn auf, ich höre in den Nachrichten davon und glaube ihm. Zumindest vorübergehend, bis eines Nachts wieder Zweifel kommen. Eine so lange Unterbrechung gab es nie. Mittlerweile ist das größte Verlangen jedoch überwunden. Wiedersehen möchte ich ihn natürlich trotzdem noch, bin bei dem Wunsch jedoch fatalistisch. Vom Rest lenke ich mich ab, so gut wie es geht.

Eine Verabredung in einer Bar. Wir trinken Weißwein, reden über Kindheit, bei uns beiden eher prekär und irgendwo im Osten. Mit den Fingerspitzen fährt er durch meine offene Handfläche. Ich sehe zu, sehe seinen feuchten Mund, drehe mich weg. Dass es in so einer Situation nicht passt, ist für ihn neu. Als der Laden schließt, bringe ich ihn zur nächsten Tramhaltestelle. Beim Warten legt er von hinten seine Arme um meine Schultern, dreht mich schließlich zu sich um. Er ist einen Kopf größer, meine Wange lehnt an seiner Brust. Noch am selben Abend eine Mail, am nächsten Morgen SMS. Wir beschließen ein weiteres Treffen, machen aber keinen Termin aus.

Drei Tage später treffe ich einen Anderen. Wieder eine Bar, wieder Wein. Mich langweilt was er sagt und ich bin erleichtert, als er fragt, ob ich mit zu ihm komme. Vielleicht liegt da das Geheimnis, wenn Sex schnell und unverbindlich sein soll: der Punkt, an dem man sich nichts zu sagen hat, muss bald erreicht sein, sodass nur noch Geschlechtsverkehr oder Heimweg bleiben. Er nimmt mich mit an den Stadtrand, in ein Reihenhaus. Anstandshalber trinken wir ein Glas Wasser, dann fordert er mich auf, mich auszuziehen. Er dringt mit zwei Finger in mich ein, lässt sich einen blasen. Später vögeln wir im Gästezimmer. Eine Stunde später ist alles vorbei und ich zurück am Bahnhof.

Einen Dritten besuche ich in seinem Hotelzimmer. Er lässt sich von mir Hals und Wange lecken, immer wieder muss ich mich bedanken, sagen, dass ich eine Hündin bin. Er schwitzt stark, ich finde die Situation ein wenig abstoßend. Gleichzeitig bin ich aber auch neugierig. Gehe immer weiter. Hinterher bezeichnet er mich als Prinzessin. Gleichzeitig schwer zu kriegen und doch offen. Ich versuche ihm zu erklären, dass diese Beschreibung so widersprüchlich ist, dass sie auf fast jeden Menschen passt. Bin dabei aber nicht sehr motiviert. Er ist der zweite Mann innerhalb von zwei Wochen, der an Tierkreiszeichen glaubt.

Nach dem Treffen nehme ich einen Umweg durchs Bahnhofsviertel. Denke an den Selbstekel, der mich früher schnell überkam, wenn ich mit Menschen Sex hatte, die mich nicht wirklich anzogen. Momentan bin ich wenig empfindlich. Es fasziniert mich, weil es mich an Orte und in Situationen bringt, die mir fremd sind. Aber da ist auch die Besorgnis, dass es mich mal einholen könnte. Dass ich mich wieder unangenehm schmutzig fühle. Dazu auch das Wissen, dass es eigentlich nicht um Sex geht, zumindest nicht primär. Es ist Zeitvertreib und es ist Suche.