Phantasia II
by wg
Seit einigen Wochen immer wieder Träume. Gelegentlich erotisch. Auf diese Anarcho-Freud-Art, wie Träume erotisch sein können. Sie hinterlassen ein Gefühl der Wärme, Ruhe und ein wenig Melancholie. Wovon genau sie handeln, weiß ich am nächsten Morgen nicht mehr. Ich weiß aber, oder ahne es zumindest, dass der Kollege darin vorkommt.
Der Kollege ist der Kollege und mehr auch nicht. Bis wir mit einander warm wurden, hat es gedauert. Mittlerweile flachsen wir manchmal rum. Er ist bisschen pöbelig und zu jungenhaft. Sehr Working class. Sagt oft Sachen, die jenseits von Gut und Böse sind. Ist nicht schön und hat eine Freundin, die ihn mehrmals pro Woche auf Arbeit besucht. Im Großen und Ganzen okay und niemand, mit dem ich mehr Zeit verbringen wollen würde.
Seit einigen Tagen trotzdem das Verlangen nach Aufmerksamkeit. Merke, dass er mich immer öfters anfasst. Im Vorbeigehen am Arm, beim Nebeneinanderherarbeiten vernachlässigt er den üblich-höflichen Sicherheitsabstand, bleibt dabei jedoch in sein Excel vertieft. Wir flirten nicht. Dennoch warte ich auf jede zufällige Berührung und bin irritiert, wenn es dazu kommt.
Versuche es zu rationalisieren. Vielleicht zu wenig Ausgleich? Der letzte Sex ist vier Wochen her, in der Zwischenzeit gab es jedoch genug freundschaftliche Umarmungen und zu viel Körpereinsatz an Bartheken. Viel mehr Lust habe ich derzeit nicht. Vielleicht liegt der Grund auch hier. Vielleicht sind Bedürfnisse subtiler als die Routine. Nur warum dann die Träume?