„…wenn dann auf dem Schulhof Kinder zu einem hin kommen und rufen, dass sich da gerade welche schlagen, dann gehe ich erstmal hin und guck da zu.“
War auch wieder einmalig, weil: zu unterschiedliche Interessen.
„…wenn dann auf dem Schulhof Kinder zu einem hin kommen und rufen, dass sich da gerade welche schlagen, dann gehe ich erstmal hin und guck da zu.“
War auch wieder einmalig, weil: zu unterschiedliche Interessen.
Stehe in der Küche und wasche ab. Das Wasser ist einen Tick zu heiß, ich merke es erst, als ich sehe, wie rot und trocken meine Hände sind. Obwohl es entspannt, spüre ich immer noch meinen unruhigen Magen, ohne genau zu wissen, ob die Nervosität durch Enttäuschung und Wut hervorgerufen wird, oder weil ich den ganzen Tag nicht gegessen habe. Letzteres wiederum auch, weil Ärger seit Neusten den Appetit nimmt, ein Kreislauf.
Ich stehe am Küchentisch und trinke Multivitaminsaft, aus einer Plastikflasche. Merke, wie die Lust zum schreiben wiederkehrt. Das war in den letzten Monaten selten, nur mit viel Konzentration und Zwang ging es, erinnerte eher an das Aufsatzschreiben in der Schule als das, was ich eigentlich mag und mache. In den letzten Monaten hatte ich auch weniger Sorgen, zumindest nicht solche, die meinen gewohnten Hang zur Affektfreiheit beeinflussten.
Jetzt kommen die Sätze von alleine. Innerlich tausche ich Wörter aus, streiche Nebensätze, überlege Pointen und worauf ich hinaus will. Zwischendrin ärgere ich mich weiter. Darüber, dass er schon wieder so kurzfristig abgesagt hat. Es zwar nachträglich und unaufgefordert erklärt, sich jedoch nicht entschuldigt. Einen neuen Termin ausmacht, dann jedoch schweigt. Kleinigkeiten, die dafür regelmäßig stören, mich unsicher werden lassen und wenn ich zu viel Zeit habe, mich ernsthaft beschäftigen.
Woher die Unsicherheit kommt, weiß ich nicht. Soweit ich weiß, wurde ich in Beziehungen oder Affären nie belogen, abgesehen der Dinge, die man sich im gegenseitigen Einverständnis verschweigt. Wenn jemand ging, war fast immer ich es. Tat es doch mal leid, brauchte es nur den Nächsten, bis es vergessen war. Menschen kommen und gehen, zwischen drin ist man manchmal alleine, nur ist man nicht mehr 12. Man hat die Erfahrung gemacht, dass es besser werden kann. Die Unruhe bleibt trotzdem.
Er fragt eine dieser Fragen: ob man noch Spuren sieht. Die Schwellungen und Striemen auf meinem Po sind fast verschwunden, nur die Stellen, die irgendwann, nach 70 oder 80 Schlägen mit dem Rohrstock, anfingen zu bluten, sind noch ein wenig verschorft. Dazu die Innenseiten meiner Oberschenkel, Blau und Gelb, dort wo anfangs feine, rote Streifen waren. Nur weil die Haut dort empfindlicher ist, nicht weil es sonderlich schlimm war. Ich verneine seine Frage, er entgegnet, dass es Zeit für Neue wird. Plötzlich ist mir, zumindest für Sekunden, egal, ob er mich mögen könnte, ob er klug findet, was ich sage, ob ich ihm gefalle. Statt Bestätigung will ich nur, dass wir dort weiter machen, wo wir aufgehört gehaben, das ruhige, warme Gefühl der Abwesenheit, während er mich schlägt, seine freie Hand in meiner.
Kurz nach dem ich 18 wurde, trennte ich mich von meinen ersten Freund. Wir waren zwei Jahre zusammen gewesen, ich weiß genauso wenig wie damals, ob es Liebe oder nur die Freude darüber war, nach 16 Jahren jemanden zu haben (Ich war erst Scheidungskind, dann Halbwaise, freundschaftliche Beziehungen zu Gleichaltrigen waren schlicht nicht vorhanden.). Mit 18 jedenfalls war ich gerade wieder Single, ich lebte alleine in Wiesbaden und machte mein FÖJ. Quantitativ war ich einsam, qualitativ war es okay.
Zur selben Zeit wurde mir klar, dass ich nicht so schwer vermittelbar war, wie ich bis dahin immer annahm. In meinem Job war ich unterbeschäftigt, ich nutzte die Zeit um Profile in unterschiedlichen Onlinekontaktbörsen anzulegen, verabredete mich so mit Männern, hatte Sex. Manchmal auch guten. Da mir damals wenig klar war, welcher Typ Mann mich ansprach, war das nicht automatisch gegeben. Damals traf ich auch Hooligans, CDU-Mitglieder und Metzger.
Aufgrund eines meiner Profile kam ich mit H. in Kontakt. Er fragte gleich zum Einstieg, ob ich an BDSM interessiert sei. Ich dachte mir wenig zu so unmittelbaren Herangehensweisen und ich war interessiert. Er besuchte mich, wir tranken Wein, während er mir dir Grundprinzipien erklärte. Immer mit Safeword, langsam anfangen. H. war mittelgroß und sehr mager, heute würde ich ihn klar als zu ungepflegt und zu esoterisch ablehnen.
Später fesselte er mich mit Hand- und Fussschellen ans Bett, gab mir Klapse ins Gesicht, tropfte heißes Wachs auf meine Brüste, schlug mit einem Flogger auf meine Oberschenkel. Anschließend schlug er vor, doch mal die Rollen zu tauschen. Ähnlich wie ihm zuvor, fiel mir nichts ein, für beide Beteiligten ein unbefriedigendes Erlebnis. Die Hemmungen und Vorurteile, die „BDSM“ bis dahin hervorrief, waren aber teilweise überwunden. Den Mann traf ich nur noch einmal wieder, die Idee jedoch blieb.
Spätestens bei der dritten oder vierten Verabredung kommt das Thema „Beziehungen“ auf. Natürlich geht es nicht um das eigene Verhältnis, wäre auch viel zu früh, wo man sich doch kaum kennt. Es ist primär ein scheinbar ungefährliches Thema, unabhängig von Bildungsgrad und sonstigen Interessen hat jeder irgendwas dazu beizutragen.
Das was man sich dann erzählt ist jedoch, zumindest von meiner Seite aus, selten zuverlässig und durchdacht. a) Was weiß ich schon von Beziehungen? b) Es ist doch nur Gerede. So argumentiere ich gegen monogame Verhältnisse und Frage rhetorisch, wozu ich denn eine Beziehung bräuchte, wo es doch kein zuverlässiges Mittel gegen Einsamkeit ist und ich Sex auch so haben kann. Rational betrachtet ist es eben so.
Rational betrachtet ist auch klar, dass die Anziehung, die von meinem Gegenüber ausgeht, in diesem Status der Bekanntschaft vor allem hormonell bedingt ist. Wie sollte es auch anders sein, wenn man sich zum Sex trifft und das noch nicht so lange. Rational weiß ich auch, dass ich bereits jetzt mit Eifersucht reagieren würde, bekäme ich mit, dass er zur Zeit noch jemanden trifft.
Das Ende der Vernunft beginnt dort, wo man überlegt, ob man Zuneigung und Verlustängste gegenüber der Gesamtsituation besitzt, oder ob es den Menschen dahinter betrifft. Trifft letzteres zu, ist es erfahrungsgemäß schnell zu spät bzw. zu schwierig geworden. Man hat bereits seinen Standpunkt bestimmt und der Andere hat sich damit eingerichtet. Abhilfe würde möglicherweise schaffen, wäre man von vornherein emotionaler. Aber das liegt uns nicht.
Der Zwiespalt Einiger durch das Bedürfnis, kultiviert bis vernünftig und gleichzeitig unanständig sein zu wollen: So werden aus Pornos „erotische Filme im Internet“ und statt „Mach es dir selbst!“ kommt „Leg deine Hand in deinen Schritt!“. Sex als Praxis kennt scheinbar keine E-Kultur, zumindest keine spannende.
Überlegung kam auf, ob es unvernünftig ist, Risiken einzugehen. Dort, wo es nicht erforderlich ist. Bei Rot über die Ampel, Drogen, selbstverständlich auch bestimmte Sexpraktiken. Einerseits: Risiko bleibt Risiko, selbst bei der 0,0001%igen Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert. Wenn was passiert, ist unklar, ob die Konsequenzen im halbwegs fairen Verhältnis zur Sache stehen. Andererseits ist die Vermeidung jeglicher Risiken ein Korsett, das drückt, scheuert, einschränkt.
Vor allem in sexueller Hinsicht wäre konsequente Risikovermeidung ein durcheinander aus Handlungsabbrüchen, Enthaltsamkeit und Desinfektionsmittel. Was in der Praxis eben dazu führt, dass man den noch wenig bekannten Top nicht unbedingt vor beginn der Session fragt, ob er am Rohrstock mal mit Sagrotan… weil es könnte sein, dass… fremde Schleimhäute, Bakterien und so weiter. Naheliegender ist, dass man nicht weiter darüber nachdenkt, genauso wie man sich nicht jedes Mal die Hände wäscht, bevor es zur Sache geht.
Es fällt schwer, nicht leichtsinnig zu sein. „Nein“ zu sagen, wenn beim Erstdate im privaten Rahmen Seile ausgepackt werden, Abzulehnen, wenn es um Heftzwecken geht, auf „Irgendwann“ zu vertrösten, wenn man mit heruntergelassenen Hosen feststellt, dass niemand ein Kondom dabei hat. Man will es doch auch, jetzt, sofort und man weiß: Die statistische Wahrscheinlichkeit, es mit einem unkontrolliert pathologischen Sadisten oder einem HIV-Positiven zu tun zu haben, ist verdammt gering.
Man weiß aber auch von der Vorhaltungen, die gemacht werden, wenn Dritte von dem Leichtsinn erfahren. Safer Sex und Vorsicht bei der Auswahl der Sexualpartner werden als Selbstverständlichkeiten gehandelt, hört man sich jedoch um, findet man kaum jemanden, der sich durchgehend daran hält. Wie viele Leute benutzen schon beim Oralverkehr Kondome? Nicht ein mal Erfahrungen belehren: man kennt den Schreck über einen positiven Test auf Hepatitis und die Panik, fixiert und geknebelt in einer fremden Wohnung, während der einzige andere Anwesende sich anschickt, Zigaretten auf einem auszudrücken. Trotzdem ist man fast immer wieder bereit, sich in Situationen zu bringen, die nicht zwangsläufig gut ausgehen*.
Sollte wirklich ein Mal etwas gravierend Schlimmes passieren, wird man diesen Leichtsinn bereuen. Kein Fick ist es wert, den Rest des eventuell sehr verkürzten Lebens Pillen zu schlucken oder sich mit gesundheitlichen Beschwerden rumzuschlagen, wo doch schon eine banale Wintergrippe das Übel schlechthin darstellt. Wohl kaum ein sexueller Kick reicht aus, um des Rest des Lebens als Folter- oder Missbrauchsopfer zu verbringen. Trotzdem lässt man sich immer wieder darauf ein, trotz der fünfhundertsten Anti-Aids-Kampagne, jeder noch so detaillierten Date Rape-Beschreibung. Trotz aller Pädagogik und jeder mahnenden Reaktion. Auch was Sex angeht scheint sich Freiheit nicht vollständig mit Sicherheit zu vertragen, größtmögliche Rationalität behindert den Zweck.
*Um Missverständnisse zu vermeiden: Natürlich hab ich in der Zeit mit der Infektion extrem aufgepasst, die Gefahr, jemanden zu infizieren, war einfach zu gegeben.
Zwischen Date3 und mir ist nach wie vor Distanz. Jeder scheint für sich zu sein, er steht hinter mir, fickt mich, während ich mich mit der einen Hand abstütze und es mir mit der anderen selbst mache. Er kümmert sich um seinen Höhepunkt, ich mich um meinen. Das ist primär ehrlich und nur ein wenig kühl.
Der Glaube, man müsse dasselbe empfinden, miteinander verschmelzen ist – für mich -Irrtum. Masturbation wäre da eine sozial unkompliziertere Lösung. Wenn man gefickt werden will, dann doch von jemanden, der anders ist. Jemand der für sich ist, der fremd ist.
Am Ende liegen wir doch auf dem Sofa, mein Kopf auf seiner Brust und ich merke, wie er meine Haare einatmet. Wir reden nicht viel, manchmal, weil wir uns nicht viel zu sagen haben und manchmal, weil es nichts zu sagen gibt. Der Sex ist aber gut.
Anti-Porno-Aussagen einiger „Oldschool“-Feministinnen bei Diestandard.at.
Durch den Ausschluss von Machtverhältnissen aus der Sexualität und dem Unvermögen, zwischen Inszenierung und Realität zu unterscheiden fragt man sich doch schon, wieviel die Einzelne vom Sex weiß. Natürlich kann man Pornofilme nicht 1:1 mit dem gleichsetzen, was zu Hause, im Auto oder sonst wo passiert, die Grundaussage, dass Sexualität notwendigerweise mit Gleichheit und Zärtlichkeit zu tun haben muss, ist jedoch erschreckend normativ, beschränkt und fragwürdig.
Vor einigen Monaten stieß ich beim Surfen auf einer Porno-Seite auf einen Clip mit Audrey Hollander. Getaggt war er als etwas härterer Stoff, also das, wonach ich suchte. Wiedermal Political Correctness hin oder her, was Pornos angeht interessieren mich weder gelungene ästhetische Gesamtkonzepte mit Handlungsansatz, noch People-next-door: Ich mag es eindeutig, mindestens etwas brutal und optisch halbwegs glatt.
Besagter Clip begann damit, dass Audrey, über einem riesigen Plug hockend, zwei Männern abwechselnd einen blies. Anschließend Penetration, Vaginal, Anal, Beides gleichzeitig, doppelt Anal. Mir gefiel die Performance, gerade auch weil erniedrigende Aspekte auftauchten, beispielsweise Würgen, leichte Schläge, grobe Berührungen, Anspucken. Zu dem fand ich Audrey nicht nur hübsch, sondern sie erschien auch authentisch.
Als ich las, dass 9to5 – Days in Porn auch von ihr handeln würde, wollte ich ihn gerne sehen. Einerseits, weil es mich interessierte, wie sie angezogen rüberkommen und was sie sagen würde, primär aber aus vulgärer Neugierde. Wo es um Sex geht, ist man schnell dabei.
Neben Audrey Hollander handelt die Dokumentation von weiteren Leuten, die vor oder hinter der Kamera, als DarstellerIn, Agent oder Regisseur, an der Produktion von Pornofilmen beteiligt sind, Namen wie Sasha Grey, Katja Kassin, Belladonna und John Stagliano. Jens Hoffmann zeigt sie bei den Vorbereitungen am Set und beim Dreh, lässt sie zu Wort kommen, von Berufswahl, Erfahrungen und Privatleben erzählen.
Die Meinung wird dem Zuschauer überlassen. Einerseits berichten die Darsteller, wie zufrieden sie mit dem, was sie machen sind. Das es ein Job ist, wie jeder andere auch, den man gut machen kann, so lange man weiß, was man tut, Realität und Zukunft im Auge behält, Leben außerhalb der Branche hat. Andererseits wird aber auch erwähnt, dass es nach wie vor ein hartes Geschäft ist, in aller Doppeldeutigkeit. Achtzehnjährige Mädchen, denen etwas zu spät klar wird, was es überhaupt heißt, vor laufender Kamera Analsex zu praktizieren und Spass vorzutäuschen, selbst wenn es schmerzhaft ist oder die osteuropäische Darstellerin, die mit Mitte 20 nervös wird, in Anbetracht des voranschreitenden Alters und der Perspektivlosigkeit.
Argumente gegen Hardcorepornos sind bekannt: DarstellerInnen mit psychischen Problemen und Drogenkonsum. Frauen, die zu Handlungen genötigt werden. Sexismus aufgrund der Darstellung von Frauen als immer willige (oder eben auch nicht) Wesen, die jederzeit und universell penetrierbar sind. Gewaltdarstellungen in Verbindung mit Sex, die der scheinbar nach wie vor gängigen Auffassung von Sex als untrennbar von Zuneigung und Zärtlichkeit widersprechen, dafür aber den regelmäßigen Konsumenten manipulieren.
Persönlich habe ich meinen Hardcoreporno-Konsum nie als problematisch empfunden. Gewiss gibt es Filme, die man lieber nicht sehen will. Aber das sind nicht die, bei denen Darstellerinnen angespuckt oder geohrfeigt werden, sondern, eher die, in denen sich eine apathisch dreinblickende, mit Silikon vollgestopfte Darstellerin irgendwie stoßen lässt, um mit dem Takt „Ah“ zu sagen. Beliebigkeit wird, meiner Wahrnehmung nach, mit dieser Art Film suggeriert, nicht durch die Darstellung eindeutig erniedrigender Praktiken. Darstellerinnen wie Sasha Grey oder Belladonna haben trotz dem was sie tun Namen und Gesicht und glaubt man ihren Aussagen, die doch recht ausführlich sind und authentisch erscheinen, öfters Spass an ihrem Beruf.
Schwierig sehe ich vor allen den Rezipienten. Weniger deswegen, weil er derjenige ist, der Anforderungen stellt, viel mehr, wie mit dem Konsum umgegangen wird. In Internetforen, in denen Filme und DarstellerInnen thematisiert werden, herrscht häufig ein erschreckend negativer, abwertender Tonfall. Verallgemeinerungen wie „Pornos fördern Misogynie“ wären meiner Meinung nach trotzdem nicht angebracht, allein schon wenn man sich bewusst macht, wer sich alles welche ansieht.